Das vorausschauende automatische Wählsystem

Die Bezeichnung prediktive Dialer ist passend gewählt, denn dieses automatische Wählsystem für Callcenter ist in der Lage, über die permanente Überwachung bestimmter Kriterien das voraussichtliche Ende eines Beratungsgespräches einzuschätzen und so rechtzeitig eine neue Verbindung zu einem Kunden herstellen zu können, ohne dass der jeweilige Mitarbeiter etwas dazu beitragen müsste. Die dadurch eingesparte Zeit kommt der Effizienz des einzelnen Agents und damit dem gesamten Unternehmen zugute. Der prediktive Dialer ist lernfähig, das heißt, er passt sein Wahlverhalten den jeweils herrschenden Bedingungen an. Dabei werden sowohl die Zahl der zur Verfügung stehenden Mitarbeiter insgesamt, die durchschnittliche Gesprächszeit und die durchschnittlich zur Anwahl benötigte Zeit bei der Bewertung mit herangezogen. Darüber hinaus kann den Administrator über die Funktion Overdial regeln, mit welcher Intensität der prediktive Dialer wählt.

Auch in anderer Hinsicht ist der prediktive Dialer alias mitdenkendes automatisches Wählsystem eine gute Hilfe. Einerseits ist er in der Lage, eine Verbindung deutlich schneller herzustellen, als es der Mensch je könnte. Andererseits erkennt er auch, ob eine Rufnummer existent ist. Sollte das nicht der Fall sein, wird sie automatisch aus der Datenbank aussortiert. Ist ein Anschluss nicht erreichbar, wird der dazu gehörende Datensatz auf Wiedervorlage gelegt. Auch dort kann administrativ festgelegt werden, in welchem Abstand neue Anwählversuche gestartet werden sollen. Hat das Wählsystem einen Kunden erreicht und es ist noch kein Berater frei, wird der Kunde in eine Warteschleife gelegt. Diese Warteschleife kann man nutzen, um automatische Befragungen durchzuführen oder Produktinformationen kundzutun. Für die Befragungen wird IVR alias Interactive Voice Response genutzt. Dabei handelt es sich um ein Verfahren zur Spracherkennung, das auch in der Steuerung von Computern und in Diktiersoftware angewendet werden kann.

Der prediktive Dialer hat, wie seine Artgenossen auch, keine Chance, einen Kunden erreichen zu können, bei dem mittels IVR eine ähnliche Abfrage stattfindet, wie es im Callcenter selbst geschieht oder wo für die Herstellung einer Verbindung Tastatureingaben notwendig sind. Dort legt das Wählsystem wieder auf. Administrative Vorgaben stellen hier sicher, dass nach einer bestimmten Anzahl von Anwahlversuchen dieser Vorgang abgebrochen wird. Das gilt auch für den Fall, dass vom System wieder aufgelegt werden muss, weil noch kein freier Mitarbeiter zur Verfügung steht. Dazu wurden spezielle Algorithmen entwickelt, die jedoch der strengsten Geheimhaltung unterliegen, was wiederum dazu führt, dass die Callcenter Software Telefonanlagen nicht wie andere frei verfügbar sind, sondern käuflich erworben werden müssen und der Quellcode nicht eingesehen werden kann.

Doch neben den automatischen Wählsystemen nutzt man zur Effizienzsteigerung und Kosteneinsparung im Callcenter auch die Voice over IP Technologie. Hier werden vom Provider leistungsfähige DSL Anschlüsse geschalten. Ähnlich wie im privaten Bereich auch gibt es hier Flatrates, die in der Regel entweder in der Bündelung von mehreren DSL Anschlüssen bestehen oder bei denen nach Traffic abgerechnet wird, wie das auch bei den einzelnen Netzbetreibern untereinander der Fall ist. Als Traffic wird in der Fachsprache die Datenmenge bezeichnet, die eine bestimmte Schnittstelle zu einem Datennetz passiert. Außerdem bietet die VoIP Technologie den Call Center Agents die Möglichkeit, Eingaben am Computer machen zu können, während sie über ein Headset mit dem Kunden sprechen. Dazu wird in der Regel ein so genanntes Softphone genutzt, dass die Funktionen eines Telefons virtuell auf dem Computer nachbildet.