Mormonen

Die Kirche der Mormonen ist vor allem in den USA sehr aktiv. Die Mormonen leben vor allem in Utah und den angrenzenden Bundesstaaten wie Arizona, Missouri oder Wyoming. Der Begründer der Mormonen-Kirche ist Joseph Smith, der eine Vision hatte. Der Engel Moroni zeigte Smith später Goldplatten, die er entschlüsselte und die Grundlage legte zur Mormon, der weiterführenden Bibel der Mormonen. Die Mormonen glauben, dass sich alles ständig weiterentwickelt. Im Gegensatz zur evangelischen Kirche, glauben sie an neue Offenbarungen in der Geschichte. Gott gilt nicht als Schöpfer der Welt, sondern als Mensch aus Fleisch und Blut, der sich als Gott entwickelt hat. Er schuf nicht die Welt, sondern ordnete sie. Selig kann nach dem Glauben der Mormonen nur werden, wer sich durch das Tun im göttlichen Kontext auszeichnet. Bestimmte Gesetze und Verordnungen spielen im Leben der Mormonen eine zentrale Rolle. Teile der Verordnungen haben feste Rituale und werden geheim durchgeführt. Im Laufe seines Lebens fasste Joseph Smith 133 Offenbarungen in dem Werk “Lehre und Bündnis” zusammen. Das Buch “Die köstliche Perle” fasst die Visionen der amtierenden Präsidenten zusammen. Die Mormonen sind überzeugte Christen, die ursprüngliche christliche Glaubensinhalte haben. Das Buch Mormon umschreibt die Fortsetzung der Bibel, zum Beispiel mit der Besiedlung Amerikas.

Nach dem Tod von Smith schlossen sich viele Anhänger Brigham Young an, dem zweiten Propheten der Kirche “Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage”, die heute im Bundesstaat Utah die Bevölkerungsmehrheit hat. Young wurde der erste Gouverneur von Utah und starb 1877 in Salt Lake City, der Stadt die er gegründet hatte. Auf Druck der US-amerikanischen Regierung sollte die Mehrfachehe der Mormonen abgeschafft werden. Im Jahr 1890 verzichtete die Kirche “Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage” auf die Polygamie, was zur Abspaltung von Gruppen führte. So leben heute noch kleinere Gruppen in der Mehrfachehe. Die “Reorganisierte Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage” heißt seit dem Jahr 2001 “Gemeinschaft Christi” und ist die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft der Mormonen. Die Interpretation des Buches Mormon, unter anderem in Bezug auf die amerikanische Vorgeschichte, unterscheidet die Utah-Religionsgemeinschaft von der Gemeinschaft Christi, die im mittleren Westen vorwiegend angesiedelt ist. Die Gemeinschaft Christi ist auch in Deutschland seit 1906 vertreten. Auch in anderen europäischen Ländern wie Großbritannien, Frankreich, Schweiz oder Russland gibt es Gläubige der Gemeinschaft Christi. Man schätzt die Zahl der weltweit Gläubigen auf rund 250.000. Insgesamt gibt es heute rund 70 Glaubensgemeinschaften.