Frauenhilfe

Gewalt und andere Erniedrigungen kennen in Deutschland viele Frauen, vor allem im häuslichen Umfeld. Man schätzt, dass rund jede vierte Frau in einer Paarbeziehung häusliche Gewalt erfährt. Körperliche Gewalt, sexuelle Gewalt, Drohungen, Misshandlungen, Nötigungen, Isolierungen oder Erniedrigungen sind ernste Verletzungen der Menschenrechte. Seit dem Jahr 2002 gibt es das deutsche Gewaltschutzgesetz (GewSchG), das klare rechtliche Regelungen gegen häusliche Gewalt definiert. Mit dem Gesetz kann man heute gegen die Anwender von häuslicher Gewalt gezielt vorgehen. In akuten Fällen der häuslichen Gewalt muss die Polizei gerufen werden. Dies kann auch von Zeugen vorgenommen werden. Damit ein Schutz durch das Gewaltschutzgesetz anhängig wird, reicht nicht nur eine Anzeige bei der Polizei aus, sondern muss auch ein Antrag beim Amtsgericht gestellt werden. Das deutsche Gewaltschutzgesetz sieht eine schnelle Hilfe vor, die in der Regel auch überaus wichtig ist. Über eine eidesstattliche Versicherung müssen die Vorwürfe beim Gericht versichert werden. Das Gericht kann dann schnell geeignete Entscheidungen treffen. Zu den gerichtlichen Beschlüssen gehören zum Beispiel, dass das Opfer die Wohnung alleine nutzen kann; das der Täter die Wohnung nicht mehr betreten darf; das der Täter nicht näher als 150 Meter an den Geschädigten kommen darf, und das der Kontakt über Telefon (auch SMS) verboten wird. Kommt der Täter den Beschlüssen nicht nach, so können Geldbusen bis 250.000 Euro oder Haft drohen. Die Geschädigten müssen hier aktiv werden und können eine Zwangsvollstreckung erwirken oder eine Strafanzeige stellen. Jeder Verstoß gegen die gerichtlichen Beschlüsse stellt nach dem Gewaltschutzgesetz eine Straftat dar. Die Straftaten müssen vor Gericht verhandelt werden. Vor allem bei Telefonterror ist die Beweisführung oft schwer. Bei permanenten Verstößen gegen die amtlichen Beschlüsse kann der Täter auch in Untersuchungshaft genommen werden.

Frauen, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, oder andere erniedrigende Situationen erleben, sollten sich über die Auskunft nach lokalen Frauenberatungsstellen oder an städtische Frauenhäuser (s. Artikel Frauenhäuser) wenden. Frauenhäuser sind anonyme Häuser, die Frauen kostenlos zur Verfügung stehen. In der Regel treffen sich die Frauenhaus-Mitarbeiterinnen anonym mit den betroffenen Frauen, an einem vereinbarten Treffpunkt, zu einem ersten Gespräch. Selbstverständlich können auch die Kinder mit in das Frauenhaus ziehen. Man kann sich auch an die gemeinnützigen Vereine, wie Hilfsvereine für Frauen und Kinder in Not, wenden. Alle größeren Städte haben heute spezielle Beratungsstellen für Frauen. Teilweise gibt es auch kirchliche Frauenhilfen. In den Großstädten gibt es auch Hotlines zur Hilfe bei häuslicher Gewalt. Über die Telefonauskünfte bekommt man die Nummern der Hilfsorganisationen. Teils kommen die Mitarbeiterinnen auch nach Hause, wenn die Frauen immobil sind oder auch traumatisiert leben. Bei schwierigen Situationen ist es in der Regel sinnvoll zuerst in Frauenhäuser zu gehen, da man hier gezielte Beratungen bekommt und auch zu den Behördengängen begleitet wird. Sofern es möglich ist, sollten die wichtigsten Dokumente mitgenommen werden. Hierzu zählen zum Beispiel Pässe, Krankenversicherungskarte, Aufenthaltserlaubnis, Geburtsurkunde, Heiratsurkunde, Sozialversicherungsnachweise, Bankkarte oder Sparbuch. Frauen, die kein Geld haben, können einen Antrag auf Sozialhilfe stellen.