Kaffee

Eine kleine rote, kirschartige Frucht eines genauso unscheinbaren Strauchs sollte eines der wichtigsten ‘Nahrungsmittel’ über Jahrhunderte werden. Der Legende nach haben Ziegen den ersten Kaffee zu sich genommen. In Äthiopien beobachtete ein Ziegenhirt seine auch noch nachts aktiven Schützlinge und entdeckte, dass sie tagsüber an roten und grünen Früchten eines Gesträuchs knabberten. In diesen Früchten befinden sich zwei Samenkerne: die Kaffeebohnen, wie wir sie kennen. Mönche sollen die Früchte getrocknet, zerstossen und dann aufgebrüht haben. Nach dem Genuss des Getränkes konnten sie nachts besser die Vigilen halten. Dieses geschah im 9. Jahrhundert. Erst im 14. Jahrhundert kam sie dann in arabische Gefilde, wurde in Mekka und Medina verbreitet, aber erst im folgenden Jahrhundert verarbeitet und zu dem Kaffeegetränk gemacht, wie man es heute kennt. Die Araber nannten es ‘qaweh’.

Als die Osmanen diese Städte eroberten, kam die Bohne nach Europa und hielt schnell seinen Siegeszug. Die ersten Cafés entstanden in Aleppo und Damaskus, das erste europäische in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul. Seit dem war ihn kein Einhalt mehr geboten, sie eroberte nach und nach Italien, England, Holland und auch Deutschland. Die Bohnen kamen in Säcken nach Europa, doch achteten die Muslime darauf, dass sie nirgends angebaut werden konnten und machten die Samen vor der Verschiffung durch heißes Überbrühen unfruchtbar. Doch wo ein Wille ist, ist auch ein Weg und bald wurden die ersten Kaffeefelder in den Kolonialgebieten europäischer Länder angebaut, Ceylon und Java, später die südamerikanischen Länder, in denen immer noch Brasilien das größte Exportland ist.

Heute trinkt jeder Deutsche durchschnittlich vier Tassen pro Tag, die Finnen sogar fünf. Doch ist der Konsum dieses dunklen Gebräus nach wie vor umstritten. Die einen vertreten die Meinung, bei gemässigtem Konsum ist er gut für das Herz und den Kreislauf, die anderen warnen vor Bluthochdruck und Nervosität. Wie dem auch sei, keiner scheint sich dessen abschrecken zu lassen und trinkt heute den Kaffee in seinen verschiedensten Zubereitungsformen. In Deutschland wird das dunkle und sehr aromatische Kaffeepulver der gerösteten und gemahlenen Bohnen mit heissem Wasser übergossen, in Italien löst der Wasserdampf die so begehrten Inhalsstoffe und in Griechenland und den arabischen Ländern wird er schon mit Zucker zusammen in einem kleinen Töpfchen aufgekocht. So hat jedes Land eine andere Variation, jede für sich ganz anders schmeckend als die andere.

Manche trinken den Kaffee schwarz, ohne Zucker und Milch, andere versüssen sich ihn oder tun einen Schuss Milch hinein, was das im Kaffee enthaltene Cafein neutralisiert. Viele trinken heute aber ihrem Kaffee gemütlich in einem der zahlreichen Cafés, zusammen mit einem Stück Kuchen. Und hier treten unzählige Verfeinerungen auf. Im Sommer ist der Eiscafé beliebt, im Winter wärmt der Café mit einem Schuss Grog,. Der Italiener trinkt seinen stärker schmeckenden aber bekömmlicheren Espresso corretto, mit einem Tropfen Anisschnaps, Damen mit Bailey’s. Man kann mit Schokolade eine ganz andere Variante versuchen, Othello genannt, der ‘Café de olla’ aus Südamerika wird kalt und mit Gewürzen wie Zimt getrunken, die Kaisermelange und der Zarenkaffee werden mit Eigelb und Zucker vermischt. Italiener trinken im Sommer ‘granita di café’, gefrorener, zerstossener Espresso.

So hat jedes Land sich ‘seinen’ Kaffee zur Spezialität gemacht und man kann das einst von Ziegen entdeckte Getränk heute königlich geniessen.