Boxen

Die Ursprünge des Boxens finden sich schriftlich dokumentiert im 17. Jahrhundert in England. Seit Ende des Jahrhunderts wurden regelmäßige Boxkämpfe auf der Insel ausgetragen. Die ersten Grundregeln des modernen Boxens wurden durch den englischen Schwergewichtsboxer James Figg niedergeschrieben. Figg war nicht nur Schwergewichtsmeister, sondern auch ein anerkannter Fechter. Figg gründete auch die erste Boxschule. Gekämpft wurde früher noch ohne Handschuhe mit den bloßen Fäusten. Zwei Regelwerke Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts bestimmten das Boxen in der Folge. Die London Prize Ring Rules und die Queensberry-Regeln führten dazu, dass seit dieser Zeit ein Boxring als Austragungsstätte dient und auch Boxhandschuhe getragen werden. Durch die Queensberry-Regeln wurde auch festgelegt, dass ein Boxer bis zehn angezählt wird. Die Boxregeln wurden aber auch im 20. Jahrhundert ständig weiterentwickelt, so gibt es seit den 50er Jahren den Mandatory-Eight-Count, das Zählen des angeschlagenen Boxers bis Acht. Auch die Boxhandschuhe wurden dicker. In der englischen Tradition boxte man mit vier bis sechs Unzen Handschuhen. Heute sind acht bis zehn Unzen Boxerhandschuhe üblich.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Boxen auch zur olympischen Sportart und in Deutschland wurde der erste Amateurboxverein in Köln gegründet. Seit den 20er Jahren gibt es die deutschen Amateurmeisterschaften im Boxen. Heute unterscheidet man generell in das Amateurboxen, eine olympische Disziplin und das Profiboxen. Der Weltverband des Amateurboxsports hat feste Regeln für den Amateurbereich festgelegt. Es gibt unterschiedliche Alters- und Gewichtsklassen. Amateurboxer müssen einen Kopfschutz tragen und sich mit einem ärmellosen Hemd kleiden. Es wird in der Regel über vier Runden zu zwei Minuten geboxt. Die drei Punktrichter zählen die klaren Treffer als Punkte. Um die Treffer besser zu sehen sind die Handschuhe mit einer weißen Trefferfläche gestaltet. Ausserhalb der Punktwertung gibt es rund zehn Möglichkeiten, wie ein Kampf enden kann, zum Beispiel durch Abbruch durch den Ringrichter oder Ringarzt. Vor allem auch Amateurboxer aus der ehemaligen UDSSR und Kuba waren überaus erfolgreich bei den olympischen Boxwettbewerben. Für viele erfolgreiche Amateurboxer schließt sich eine Profikarriere an.

Das Profiboxen wird heute nach dem sogenannten Ten-Point-Must-System bewertet. Das System sieht unter anderem vor, dass der Sieger einer Runde zehn Punkte erhält und der Verlierer neun Punkte. Wird ein Boxer ein- oder mehrmalig niedergeschlagen bekommt er acht bzw. sieben Punkte. Bei einer Runde die Unentschieden endet bekommen beide Boxer zehn Punkte. Am Ende addieren die Punktrichter die Rundenergebnisse, die zwischen vier und zwölf Runden liegen können. Verwarnungen, zum Beispiel bei Tiefschlägen oder Kopfstößen, werden nach dem Kampf gesondert gewertet. Immer wieder führen die Punktrichterbewertungen zu Unmut bei den Boxern und dem Publikum. Klare Treffer sind auch im Boxsport nicht immer gleich zu bewerten. In den letzten Jahren ist man aber international bemüht die Regelauslegungen auch professionell zu handhaben. Zwischen den Regeln in den USA und Europa gibt es manchmal kleinere Unterschiede. Besonders undurchsichtig sind im Profisport die internationalen Verbände, die einen Champion stellen.

Gerade in den USA hatte das Boxen immer auch mit viel mit Geld zu tun. So wurden in der Nachkriegszeit einige Verbände gegründet, die eher als Profit-Center zu sehen sind. Vor allem auch die New-Yorker-Organisation war in den 60er Jahren sehr stark, da hier viele große Boxkämpfe stattfanden. Heute gibt es vier große Verbände: die WBC, die WBA, die IBF und die WBO. Die World Boxing Association ist die älteste Boxorganisation der vier Verbände und wurde in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts gegründet. Joe Louis ist einer der bekanntesten Weltmeister im Schwergewicht der Organisation. Gerade in der Nachkriegszeit wurden die Kämpfe der WBA zu gesellschaftspolitischen Events. Seit den 60er Jahren gibt es den WBC, die als Konkurrenz zur WBA ins Leben gerufen wurde und heute in Mexiko ansässig ist. Larry Holmes, als WBC Schwergewichtsweltmeister schlug Anfang der 80er den fast 40-jährigen Muhammad Ali der WBA und erhielt auch den Titel der 1983 neu gegründeten International Boxing Federation (IBF).

Die World Boxing Organization (WBO) ist die jüngste Organisation, die Ende der 80er Jahre nach Streitigkeiten mit der WBA einen eigenen Verband mit Sitz in Puerto Rico gründete. Die WBO suchte in den 90er Jahren nach neuen Märkten und fand unter anderem den deutschen Markt. Viele der Kämpfe der WBO finden bis heute in Europa statt. In den USA hat der Gürtel der Weltmeister der WBO keinen so hohen Stellenwert, wie in Europa. Der Schwergewichtsweltmeister Lennox Lewis zum Beispiel war Schwergewichtsweltmeister aller Verbände, ausser der WBO. Es gibt bei Weltmeistern auch den Superchampion. Dieser Titel sagt aber nur aus, dass es sich um einen Weltmeister der WBA und einer Konkurrenzorganisation handelt, die von der WBA akzeptiert wird. Vereinigungskämpfe können zwischen allen Verbänden organisiert werden. Es gibt darüber hinaus eine Reihe von nationalen Verbänden, die sich nach Regionen unterscheiden.

Selbstverständlich gibt es auch Europameisterschaften oder Deutsche Meisterschaften im Profiboxen. Box-TV-Übertragungen sind heute der Quotenrenner, so verfolgten rund 18 Millionen Menschen den letzten Boxkampf von Henry Maske. Der teuerste Boxkampf aller Zeiten fand 2007 im Superleichtgewicht zwischen Oscar de la Hoya und Floyd Mayweather in Las Vegas statt. Oscar de la Hoya soll für 40 Millionen Dollar angetreten sein, sein Gegner für die Hälfte. Trotz Niederlage verdiente Oscar de la Hoya zusammen mit der garantierten Börse und den TV-Rechten rund 60 Millionen Dollar.