Webkataloge

Im wesentlichen sind Webkataloge thematisch sortierte Linkverzeichnisse. Wer selbst eine Webseite betreut, kann sie in beliebig vielen Katalogen eintragen. Dazu wählt er einen aussagekräftigen Titel, stellt das Wesentliche der eigenen Seite in 2 bis 3 Sätzen dar und trägt einige Metadaten zur besseren Auffindbarkeit des Eintrags ein. Damit diese Beschreibung dem Besucher nützt, muss sie sachlich-neutral verfasst sein und auf Werbesprache verzichten. Der Katalogbetreiber prüft den Eintrag, bevor er ihn öffentlich zugänglich macht. Die Hauptidee des Webkatalogs ähnelt der eines Telefonbuchs. Aber was beim Telefon einfach ist, ist im Netz komplizierter. Unter welchem Stichwort findet man eine bestimmte Webseite? Unter dem Namen des Inhabers oder unter dem Thema der Webseite? Letzteres liegt vermutlich näher. Aber auch damit ist die Suche noch nicht am Ende. Denn welcher Begriff trifft das Thema am genauesten?

Das ist im Kern die Frage der Taxonomie, der einmal festgelegten Struktur von Kategorien und Ordnungsbegriffen. Wer eine Versicherung für sein Haus sucht, wird der unter “Finanzen”, “Haus und Garten” oder “Preisvergleich” suchen? Fragen wie diese sind nicht allgemein verbindlich zu beantworten und daran scheitern letztlich alle Taxonomien. Denn es ist nicht eine Frage von besserer oder schlechter Kategorienwahl, sondern jede stößt an ihre Grenze, weil Menschen unterschiedlich denken und eigene Begriffssysteme bilden.

Am Anfang des Internet war die Frage der Kategorisierung noch vernachlässigbar. Denn die Suchmaschinen der ersten Jahre hatten keinen Ansatz, um Ordnung in die Suchergebnisse zu bringen. Demgegenüber waren Webkataloge übersichtlich und berechenbar. Den Anspruch, die relevanten Adressen des gesamte World Wide Web zu erfassen, nahm der Benutzer dem Betreiber ab. Doch dann kam Google und lieferte Ergebnisse, die scheinbar viel genauer waren. Google kannte mehr Websites und Google war schneller.

Durch die neue Konkurrenz machten auch Kataloge einen Qualitätssprung. Per Hand gepflegte Kataloge setzten sich von Linkfarmen ab, in die jeder alles eintragen konnte. Bewertungsmöglichkeiten und Statistiken über jeden Eintrag machten es für Besucher leichter, die Einträge zu vergleichen. Die Mutter aller Webkataloge, das Open Directory, wurde sogar für Google zum Prüfstein der Qualität: Webseiten, die in DMOZ gelistet waren, bekamen einen Vertrauensbonus von Google.

Heute bekommen die Webkataloge sowohl von Google als auch von Bookmarkdiensten des Web2.0 Konkurrenz. Die Suchmaschine antwortet auf das hierarchische und nicht zu lösende Taxonomieproblem mit ausgefeilten Algorithmen. Mister Wong & Co setzen auf die Folksonomie, die Sortierung von Begriffen durch die breite Masse. Der technische Ansatzpunkt dafür ist das Tagging, die freie Vergabe von Stichworten.

Für den Besucher bieten Webkataloge dann einen Nutzen, wenn sie streng handverlesen sind. Wenn darüber hinaus der ganze Katalog Websites zu einem Thema listet, hat der Nutzer viel gewonnen. Denn dann findet er viele kompetente und gut gemachte Webseiten, die ihm die Suchmaschinen nie zeigen würden. Für den Webmaster sind Kataloge wichtig, weil sie Links zu seinem Webauftritt enthalten und Links sind Empfehlungen. Viele Besucher sollte er davon allerdings nicht erwarten. Für den Katalogbetreiber ist ein Webkatalog sinnvoll, wenn er eine Einnahmequelle ist. Viele Kataloge finanzieren sich über Werbeeinblendungen. Andere Webkataloge bieten den im Verzeichnis Gelisteten Zusatzleistungen gegen Bezahlung. Die optionalen Zusatzangebote sind zum Beispiel prominente Platzierung, farbliche Absetzung oder die Einblendung von Bannern und Vorschaubildern.